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Von Abenteuern und Ängsten

Am 01.09. brechen mein Freund und ich, zusammen mit unseren zwei alten Hunden, in ein anderes Leben auf – ein Leben in einem Oldtimer-Bus. Auf unbestimmte Zeit wollen wir in Horst, so haben wir unser Charakter-Gefährt getauft, wohnen, reisen und arbeiten.

Bis es soweit ist, stehen wir noch vor einigen Aufgaben:

  • Wohnung kündigen,
  • Jobs kündigen
  • Langzeitreiseversicherung abschließen
  • Horst mit Solar und SAT für das Internet ausstatten
  • Auto verkaufen
  • Haushalt auflösen

All das lenkt mich ab, von der aufsteigenden Vorfreude, aber auch der Aufregung. Ich befinde mich in einer Art Schwebezustand:

Das eine lasse ich nach und nach los – das andere wird immer greifbarer.

Und ja, ich bin aufgeregt, denn ich kündige nicht nur die Wohnung und den Job, sondern mache mich auch selbstständig.

Werde ich dieses Mal mit der Selbstständigkeit erfolgreich sein?

Vor ein paar Jahren habe ich es schon einmal versucht, aber damals konnte ich nicht davon leben.

Die Stimmen in meinem Kopf arbeiten auf Hochtouren, aber auch die Stimmen aus meinem Umfeld werden lauter.

  • Ob ich mir denn keine Sorgen mache?
  • Ob ich denn keine Angst vor der Zukunft habe?
  • Was ich denn mit meiner Altersvorsorge machen möchte?
  • Ob ich in meinem Alter keine Angst vor so einer großen Veränderung habe?

Ich merke, dass ich genervt auf diese Fragen reagiere, teilweise trotzig. Immer häufiger ertappe ich mich, wie ich mit „Na und?“ antworte.

„Mit 40 Jahren eine neue Sprache zu lernen, ist auch nicht mehr so einfach wie mit 20“ –

„Na und?“

“Du musst dir aber schon Gedanken über die Rente machen” – „Sagt wer?“

Viel schöner und angenehmen finde ich diese Reaktionen:

  • Das finde ich super, wenn jemand seine Träume verwirklicht.
  • Klar, macht das! Man hat schließlich nur das eine Leben.
  • Was soll denn schon schief gehen?
  • Das bekommt ihr schon hin!
  • Du bist ja schließlich nicht auf den Kopf gefallen.

Natürlich stoße ich auch auf eigene Denkmuster, die mich einschränken und auf welche, die mich anspornen.

Zweifel, gesellschaftliche Wertvorstellungen, familiäre Ansichten – all das prägt unser Denken und unseren inneren Monolog. Aber ich bin Coach und Entspannungspädagogin. Deshalb weiß ich, wie ich diese Stimmen wahrnehmen und mit ihnen umgehen kann. So, wie ich mich über positiven Zuspruch von außen freue und ihn als förderlich empfinde, spreche ich mir selber ebenfalls Mut zu anstatt mich klein zu halten.

Ich weiß, dass diese Stimmen mir nichts Böses wollen, sondern einen Zweck erfüllen.

Wenn sie allerdings so laut werden, dass sie mich in meiner Entwicklung einschränken und vor lauter Vorsicht lähmen, dann unternehme ich etwas. Ich nehme sie ernst, überlasse ihnen aber nicht das Ruder.

Wenn ich mich bei diesem Gedanken ertappe: „Ohje, was, wenn du nicht genügend Geld verdienst?“, dann sage ich mir: „Egal, was passiert – es gibt immer eine Lösung! Ich bin mir sicher, dass ich sie dann auch finden werde.“

Meine Mutter hat sich im Laufe ihres Lebens immer mehr von ihren Ängsten leiten lassen, sich immer abhängiger von ihrem Ehemann gemacht und kaum noch eigene Entscheidungen getroffen. Ihre Lieblingsfrage ist bis heute: „Hast du denn keine Angst, dass…?“

So möchte ich nicht werden und es hat mich in den letzten Jahren viel Arbeit gekostet, den Kurs zu ändern. Ich war auf dem besten Weg, in diese Angst-Falle zu tappen und mich in einen Sicherheits-Kokon einzuhüllen. Irgendwann war ich emotional abgestorben und habe nur noch funktioniert.

Dann kam ein Wendepunkt, der alles auf den Kopf gestellt hat. Wie dieser genau aussah, beschreibe ich in meinem Artikel „Von Ängsten, Feuer und Liebe – mein Neuanfang in Katalonien“.

Ohne irgendwelche Pläne zu haben, bin ich nach Spanien aufgebrochen und habe mich vom Leben treiben und tragen lassen. Und siehe da: die Dinge haben sich so sehr in eine positive Richtung entwickelt, wie ich es niemals geahnt hätte.

Wieso sollte es mit unserem Projekt Horst anders laufen?

Wenn ich mit einer Sorgenbrille durchs Leben laufe, werde ich diese bestätigt finden. Unsere Sicht auf die Dinge wirkt wie eine selbstbestätigende Prophezeiung. Erwarte ich Schlechtes, werde ich es auch finden.

Wenn ich gerade nach einem Wohnmobil suche, sehe ich im Alltag dauernd Wohnmobile, die mir vorher nie aufgefallen sind – so ist das mit unserer Wahrnehmung.

Ich habe in Spanien gelernt, die Dinge lockerer anzugehen, sie auch mal laufen zu lassen und offen für Möglichkeiten zu sein, die sich spontan ergeben. Ich habe zwar einen groben Plan, der aber genügend Raum für Abweichungen und Neuausrichtungen lässt.

Vor drei Jahren wäre es für mich zum Beispiel nicht vorstellbar gewesen, klettern zu gehen, da ich Höhenangst habe. Dann habe ich meinen Freund kennengelernt, der schon seit Jahren klettert. Anstatt zu sagen „Das mache ich nicht, davor habe ich Angst“, habe ich die Gelegenheit ergriffen, es zu versuchen. Und jetzt? Jetzt liebe ich diesen Sport und habe sogar einen Blog über das Klettern in Spanien.

Offen zu sein, mich meinen Ängsten zu stellen, mit meinen inneren Zweiflern und Kritikern im Gespräch zu bleiben, das ist meine Strategie für den Aufbruch in mein neues Leben.

Eine Erfolgsgarantie kann mir keiner geben, aber das wäre auch langweilig. Wir wollen doch am Anfang eines Films auch nicht das Ende verraten bekommen.

Aber ich glaube fest daran, dass es ein schöner Film wird – schließlich spiele ich eine wichtige Rolle darin und bin – zumindest teilweise – sogar die Regisseurin.

Und so heißt es im September: Tschüss Deutschland – Hola Abenteuer Spanien!

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