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Abwarten und Tee trinken

Mein Opa war ein sehr einfacher und bodenständiger Mann. Er hatte selbst ein schweres Leben und musste eine große Familie mit sechs Kindern mit dem Gehalt eines einfachen Polizisten durch das Leben bringen. Sein Kommentar dazu: Es war nicht immer einfach, aber es war mir eine Ehre für meine Familie zu sorgen.

Ich habe dir bereits eine Geschichte mit meinem Opa erzählt. Seine einfachen Weisheiten habe ich oft erst später kapiert.

Hier eine weitere Geschichte und Weisheit:

Abwarten und Tee trinken

Immer, wenn mein Großvater irgendwo feststeckte oder an die Grenzen seiner Möglichkeiten gelang, dann sagte er:

Abwarten und Tee trinken.

Du kennst sicher auch diesen Spruch, oft sprichst du ihn aus und im nächsten Moment vergisst du, was du gesagt hast.

Aber für ihn war es kein banaler Spruch, den man einfach so daher sagt. Für ihn war es ein Ritual.

Die Teezeremonie

Er veranstaltete eine Teezeremonie:

Er kochte das Wasser und wartete einen Moment bis das Wasser zur Ruhe kam. Dann nahm er etwas Schwarzetee-Blätter zwischen die Finger und warf sie sanft ins Wasser.

Er stellte alles auf ein Tablett und setzte sich auf die Bank im Garten. Er wartete geduldig bis der Tee fertig war und goss sich eine Tasse davon. In dieser Zeit war er ganz still und niemand dürfte ihn dabei stören.

Er trank in aller Ruhe seinen Tee. Währenddessen schaute er in die Ferne, als ob er auf etwas wartet. Wenn man ihn fragte, auf was er wohl wartet, antwortete er:

Bis der Gott an meine Tür klopft.

Als Kind habe ich immer gekichert, wenn er das gesagt hat. Er lachte dabei und sagte mir:

Hörst du das nicht? Er klopft auch bei dir. Wahrscheinlich müssen deine Ohren noch wachsen.

Heute sind meine Ohren gewachsen

Ja das sind sie. So wohl nach außen, aber auch nach innen. Ich habe gelernt auch mal nach innen zu hören. Ich gebe zu, es gelingt mir nicht immer.

Oft bittest du deinen Gott um Hilfe, wenn du irgendwo feststeckst oder Probleme hast. Du wunderst dich dann, warum er dir nicht antwortet. Dann fängst du an zu fluchen und an ihm zu zweifeln.

Dabei spricht dein Gott, dein Leben oder deine innere Stimme (oder, was der Gott auch für dich ist) immer zu dir. Er klopft immer an deine Tür, in jedem Moment deines Lebens. Auch dann, wenn du keine Probleme hast und ihn nicht brauchst.

Du vergisst nur eins:

Still zu werden und in dich hinein zu lauschen. Und zwar solange, bis du das Klopfen an deiner Tür hörst.

In Zeiten der Verzweiflung solltest du mit dem Aktivismus und der Hastigkeit aufhören. Nimm dir eine kleine Auszeit. z.B. für eine Teezeremonie.

Und etwas später erscheint alles nicht mehr so schlimm und so unglaublich ernst. So ist deine “Sicht” wieder frei. Der Nebel ist verschwunden und du kannst klar in die Ferne sehen:

Und vergiss nicht die Tür aufzumachen, wenn der Gott an deine Türe klopft.

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Gehen dir manchmal die ganzen Mainstream Themen, die sich ständig wiederholen, nicht auf den Geist? Hier liest du, warum die Mainstram Spiritualität dich in deiner Entwicklung nicht weiterbringt.
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