Achtsamkeit und der Sinn des Lebens

Achtsamkeit im Alltag hilft Dir das Leben besser zu begreifen und zu spüren. Aber worum geht es im Leben wirklich? Was ist der Sinn des Ganzen? Ich lese oft in Kommentaren und E-mails meiner LeserIn, die mich täglich erreichen, folgende Fragen:

Ok, das ist alles mit dem einfachen Leben, Achtsamkeit im Alltag, Minimalismus, plan- und ziellos leben schön und gut. Aber lässt sich so ein Leben in unserer heutigen Zeit überhaupt realisieren? Ist so ein Leben möglich?

Oder ist ein solches Leben reine Illusion, eine nie wahr werdender Traum?

Beginnt das „gute Leben“ irgendwann, wenn Du ein gewisse Reife oder Entwicklungsstand erreicht hast? Oder ist es nur für spirituelle oder reiche Menschen zugänglich?

Was bedeutet wahrer Reichtum, wenn es kein Geld und Besitztümer sind?

Wie kannst Du das Leben verstehen?

Lass mich das mit einer kleinen Geschichte beantworten:

“Der Zenmeister geht mit seinem Schüler spazieren. Während dessen ist er ganz still. Auf einmal fragt er seinen Schüler mit lauter und strenger Stimme:

„sag mal, verstehst Du, was Zen ist?“

Der Schüler, der sichtlich erschrocken und verunsichert war, antwortet zitternd:

„Nein, Meister, ehrlich gesagt, ich verstehe es nicht.“

Darauf antwortet der Meister:

„Ich auch nicht!“

Und sie laufen still weiter.”

Der Verstand ist in einer Zwickmühle

Bei der Frage „wie funktioniert das Leben wirklich“ versuchst Du das Leben intellektuell zu verstehen. Das Leben ist kein Konzept, das Du begreifen musst. Dein Verstand kann das Leben gar nicht erfassen, es ist viel zu komplex für ihn.

Deshalb möchte er das Leben in Konzepte, Pläne und Ziele aufteilen, um es für ihn verständlich zu machen.

Je mehr er sich mit dem Leben auseinander setzt, umso mehr wird er mit seiner eigenen Begrenzung konfrontiert. Und so entwickelt er weitere Konzepte, in der Hoffnung sich von dieser Begrenztheit zu befreien.

Und das ist das wahre Hamsterrad, in dem Du steckst!

Wenn Du so willst, bist Du der Sklave deines Verstandes geworden! Oder besser gesagt: Du hast ihm das Steuer überlassen!

Wenn Du versuchst das Leben konzeptuell zu verstehen, landest Du in einer Sackgasse und bleibst dort stecken. Du kommst nicht weiter und trittst auf der Stelle. Deine Konzepte und Methoden bringen Dich zwar ein Stück weiter, aber nur bis zu nächsten Sackgasse.

Und so sperrst Du Dich in den Keller deines Lebens, machst das Licht aus und fürchtest Dich vor der Dunkelheit.

Zurecht sagt Eckhardt Tolle:

Das Licht ist zu schmerzhaft für jemanden, der im Dunkeln bleiben möchte!

In der Dunkelheit bleibt das Gefühl der Freiheit nur ein Wunschdenken, das Dich halbwegs am Leben hält. Dieser Wunsch quält Dich mehr, als er Dich anspornt.

Weißt Du, wirkliche Freiheit erfährst Du in deinem Geist! Nelson Mandela ist der beste Beispiel dafür. Er war über 20 Jahre lang im Gefängnis eingesperrt, und in dieser Zeit war er freier als viele von uns.

Er sagte in einem Interview: „Sie können meinen Leib einsperren, aber mein Geist ist frei, er ist draußen und verrichtet seine Arbeit.“ Und so hat er ein mächtiges System bekämpft und besiegt.

Ja, auch Du bist zu solchen Taten fähig!

Alles was in Mandela steckt, steckt auch in Dir, ohne Ausnahme!

Also, hör damit auf, das Leben intellektuell erfassen zu wollen.

Das Leben ist so viel mehr, Dein Verstand würde durchdrehen, wenn er sich wirklich auf das Leben einlassen würde. Du würdest im wahrsten Sinne des Wortes wahnsinnig werden.

Weiß Du warum? Dein Verstand braucht zum Überleben viel Lärm im Aussen und Innen. Laute Gedanken, Aktionismus, Konzepte und Methode sind für ihn lebensnotwendig.

Das Leben dagegen ist Stille!

Gottes einzige Stimme ist Schweigen! (Melville)

Deine einzige Rettung besteht darin, dass Du deinen Ego getriebenen Bedürfnissen, und ständig Dinge haben zu wollen, nicht mehr nachgibst!

Aber wie geht das?

Es gibt 2 Dinge, die Du tun kannst

Der erste Punkt ist Achtsamkeit im Alltag

Achtsamkeit bedeutet sich dem gegenwärtigen Moment bewusst zu sein, egal was Du machst:

Wenn Du gehst, sei Dir jedem einzelnen Schritt bewusst. Wenn Du isst, sei Dir jedem Bissen bewusst. Wenn sprichst, jedem Wort . Und wenn Du zuhörst, sei ganz bei deinem Gesprächspartner.

Ein Handeln, ein Denken und ein Sprechen aus einer achtsamen Haltung ist immer kraftvoll und friedvoll.

Wenn Du achtsam bist, bist Du mit dem Leben und der Stille verbunden. Du handelst aus der Ruhe, Gelassenheit, und vor allem, aus der Liebe heraus.

Du bist mit der Quelle des Lebens verbunden.

Allein das Achtsamsein verändert Dein Leben, und Du wirst ein Vorbild für deine Mitmenschen sein.

Durch Achtsamkeit verstehst Du das Leben mit deinem Herzen und nicht mit dem Verstand!

Der zweite Punkt ist: Bekenne Dich zu Deiner Außergewöhnlichkeit

Eines unserer größten Probleme liegt darin, dass man uns nicht dazu erzieht, an unsere Außergewöhnlichkeit zu glauben! (Dr. Wayne Dyer)

Ja, Du bist außergewöhnlich!

Was geht in Dir vor, wenn Du diesen Satz liest? Spüre mal in Dich hinein? Bekommst Du eine Gänsehaut? Verschlägt es Dir die Sprache? Dann ist das ein gutes Zeichen!

Oder sagt eine Stimme in Dir:“ Du doch nicht! Was ist an Dir bitte so außergewöhnlich?

Wenn Du diese Stimme hörst, habe ich zum Schluss eine kleine schöne Übung für Dich.

Dein Besitzt, Dein Reichtum, Deine Leistungen können vielleicht bestimmte Bedürfnisse stillen. Sie sind aber unmöglich in der Lage, deine Außergewöhnlichkeit darzustellen.

Deshalb verlieren sich viele im Job, Karriere und sammeln Zeug und Geld. Und so gehen sie irgendwann zugrunde, weil ihre Seele verhungert.

Es gibt Menschen, die so arm sind, dass sie nur Geld besitzen!(Sergio Barbaren)

Deine Einzigartigkeit ist Dein unendliches Sein, das Du niemals mit Deinem Verstand begreifen wirst.

Du kannst sie nur in einem achtsamen Moment spüren oder erahnen:

multiplizier es mit der Unendlichkeit, erweiter es um die Ewigkeit und Du wirst im Ansatz erahnen, wovon ich spreche. (aus dem Film Rendezvous mit Joe Black)

Ja, das wäre vielleicht eine angemessene Beschreibung, wer Du wirklich bist!

Zum Schluss möchte ich Dir eine Geschichte aus meinem Leben erzählen:

Während des Krieges zwischen Iran und Irak müssten wir fast jede Nacht wegen den Luftangriffen in den Keller gehen. Es war immer eine sehr hektisch Angelegenheit. Die Bombardements rissen uns oft aus dem Schlaf und wir müssten im dunklen Treppenhaus vom 4. Stock in den Keller laufen.

Bei einem dieser Luftangriffe, während um uns herum bombardiert und geschossen wurde, saß mein Vater mir gegenüber und lächelte mich an.

Plötzlich schien es um mich herum sehr ruhig, ich habe nichts mehr von den Explosionen mitbekommen. Ich sah das Lächeln meines Vaters, und ich wußte alles ist in Ordnung. Zumindest für diese einen Moment.

Das Glück am Leben zu sein, kannst Du in jeder Situation spüren. Dazu musst Du Dir dem gegenwärtigen Moment bewusst sein. Wenn Du aus dem jetzigen Moment, aus dieser Vollkommenheit heraus, den nächsten Schritt mit Liebe und Achtsamkeit nimmst, dann bist Du mitten im Leben!

Wenn Du einmal in Deinem Alltagschaos total glücklich bist, und es kaum begreifen kannst, dann tue mir BITTE ein Gefallen und frage nicht „WARUM“. Deine Suche nach dem Warum kann alles kaputt machen.

Spüre einfach.

Das ist das Leben!


Achtsamkeitsübung:

Nimm Dir täglich am Morgen 3 Minuten, um Dich liebevoll und wohlwollend im Spiegel anzuschauen. Sag auf diese schöne Art und Weise „Guten morgen“ zu Dir. Halte den Blickkontakt 3 Minuten lang, liebevoll und freundlich. Es kann sein, dass es Dir anfangs ungewöhnlich vorkommt. Aber nach 2-3 Wochen wird es eine tägliche,schöne Begegnung mit Dir selbst sein. Und so beginnst Du Deiner Außergewöhnlichkeit einen Traum zu geben, damit sie wachsen und gedeihen kann. Wenn Du diese Übung täglich über einen längeren Zeitraum machst, wirst Du eine große Veränderung in dem Umgang mit Dir selbst spüren. Du wirst auch feststellen, dass andere Menschen Dich liebevoller behandeln.

Also 3 Minuten täglich, und bitte sag mir jetzt nicht, dass Du keine Zeit dafür hast!