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Was wäre das Glück ohne das Leid?

Wir waren mit 80 km/h unterwegs. Würde es zum Bremsen reichen? Jetzt ging alles blitzschnell. In Sekundenbruchteilen zog ich den Bremshebel. In der Schrecksekunde zu fest! Das Heck des Motorrades hob sich bedrohlich, ein dumpfer Knall und dann war alles schwarz. Keine Erinnerung mehr. Ich wachte auf der Straße wieder auf. Von dem Reh keine Spur.

Mir war nichts passiert. Sie lag auf dem Acker und bewegte sich nicht, war aber ansprechbar. Ein Schock. Im Krankenhaus erfuhr ich, dass sie keine bleibenden Schäden davon tragen würde. Erleichterung machte sich breit. Wir hatten überlebt.

Es gibt zwei Möglichkeiten, mit so einer solchen Situation umzugehen.

Was hätte ich zu mir sagen können?

  1. Warum ist nur mir das passiert?

Ich bin so ein Schussel. Ständig passieren mir solche Dinge und außerdem hätten wir drauf gehen können. Warum musste das Reh genau in diesem Moment über die Straße rennen?

  1. Wow, wir haben ein verdammtes Glück gehabt!

Wären wir gerade durch ein bewaldetes Gebiet gefahren, hätten wir an einem Baum zerschellen können. So sind wir nur auf der weichen Erde der Ackerflächen gelandet. Danke, dass wir noch leben!

Es kommt was kommt

Aus so einem Schicksalsschlag lässt sich viel lernen. Zum einen, dass er einfach passiert. Er lässt sich weder planen noch vorhersagen. Wie eine Krankheit kommt auch er einfach dann, wann er kommt.

Wir können uns darüber ärgern oder einfach akzeptieren, dass es so ist. Entgegen der landläufigen Annahme ist so ein Schicksalsschlag keine Ausnahme, sondern die Regel.

Wir Menschen sind diejenigen, die uns selbst gern davon überzeugen, dass uns so etwas nicht passiert. Falsch gedacht. Es wird passieren. Also lebe jetzt bewusst, anstatt dich vor Angst in Watte zu packen!

Wachsen durch Schicksalsschläge

Weiterhin lässt sich daraus lernen, dass das Leben nicht immer nur schön ist. Und wenn wir ganz ehrlich sind, würden wir uns nach einigem Nachdenken wahrscheinlich fragen: „Wie langweilig wäre das denn?“.

Leben heißt Veränderung und die ist nicht immer schön.

Der Wermutstropfen:

Das „Schöne“ entsteht erst im Kontrast zum „Unschönen“.

Was wäre denn die Gesundheit ohne Krankheit? Was wäre das Leben ohne den Tod? Oder was wäre das Glück ohne das Leid? Nichts! Wahrscheinlich hätten sie gar keinen Namen, weil wir sie gar nicht bewusst wahrnehmen könnten.

Nur durch das abrupte Einsetzen von Krankheit, bekommt die Gesundheit doch erst einen Wert und wird für uns sichtbar. Was bleibt uns also? Entweder wir lernen die Veränderung zu lieben, die die Normalität ist oder wir verweigern und ärgern uns darüber.

Sich jedoch darüber zu ärgern ist jedoch ungefähr sinnvoll, wie sich darüber aufzuregen, dass das Wasser nass ist.

Kann man machen, muss man aber nicht.

Wir brauchen das Leid

Das mag sich ein wenig komisch anhören, ist es aber gar nicht. Wieso? Lies weiter! Stellen wir uns einmal vor, dass unser Leben ganz seicht verläuft. Es gäbe keine großen Höhen, die uns jauchzen ließen und keine Tiefen, die uns das Leben schwer machten.

Unser Leben würde wie in einem Achsendiagramm auf der Nulllinie entlang schleichen. Ohne merklichen Ausschlag nach oben und nach unten. Und nun im Gegensatz dazu folgende Geschichte.

Wir verlieben uns unsterblich, haben mit diesem Menschen die schönste Zeit unseres Lebens. Alles gelingt uns und in unserem Job läuft es ebenfalls blendend. Unsere Linie erfährt den höchsten Ausschlag nach oben.

Aus heiterem Himmel kommt die Trennung von diesem geliebten Menschen. Die Linie sackt in den negativen Bereich ab. Im Job läuft es mies und ansonsten ist auch alles grau bis dunkel. Hand aufs Herz. Welches Leben würdest du wählen und warum?

Ich für meinen Teil wähle die zweite Version, da ich nur dadurch wachsen kann. Ich bekomme somit das Geschenk, mein aktuelles Leben noch einmal zu überprüfen und gegebenenfalls Änderungen vorzunehmen.

In jedem Schicksalsschlag steckt der Keim der Veränderung und ich allein entscheide, ob ich ihn gieße oder in Wut zertrete.

Was lernen wir also daraus?

  • Lebe bewusst
  • Leben heißt Veränderung
  • Lerne die Veränderung zu lieben, denn es heißt zu leben
  • Leid ist ein Anreiz für Veränderung
  • Die Abwesenheit von Unglück lässt uns das Glück feiern

PS: Solltest du dich fragen, welche Sätze und Gedanken ich bezüglich meines Unfalls gesagt habe, es waren jene aus Nummer 2.

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Über Robert
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