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Drei Zutaten für ein zufriedenes Leben

Es war an einem sonnigen Frühlingstag. Die Sonne stand noch nicht ganz oben, alles roch noch frisch und der Morgen deutete auf einen wunderschönen Tag hin. Meine Großmutter fragte mich, ob ich Lust hätte, mit ihr auf den Markt zu gehen.

Ich habe ohne zu zögern sofort Ja gesagt. Ich war sehr gerne mit ihr auf dem Wochenmarkt. Es gab viele tolle Sachen und als Kind habe ich immer kleine Leckereien zum Naschen von den Marktleuten bekommen.

Also gingen wir gemeinsam los!

Zutat #1: Freude

Es war immer so ein herrliches Bild, wenn die Marktstände von Weitem zu sehen waren. Meine Großmutter war von dem Anblick immer sehr entzückt und sagte zu mir:

Wir sind gleich da, na freust Du dich schon?

In mir stieg ein prickelndes Glücksgefühl auf, ich wusste, gleich geht’s los:

Der Trubel, das laute Geschrei der Marktleute und das ständige Feilschen um den Preis. Das alles war für mich sehr spannend und ein tolles, unvergessliches Erlebnis.

Wir kamen dem Markt näher und die Freude wurde größer.

Ich spürte auch die Aufregung meiner Großmutter, weil sie meine Hand fest hielt, damit ich nicht verloren gehe, und wir liefen zielstrebig auf den Gemüsestand ihres Vertrauens zu.

Sie fasste gerne die Gemüse, Kräuter und das Obst mit ihren Händen an und streichelte sie mit einem Hauch von Zärtlichkeit.

Sie hielt alles an die Nase und roch mit geschlossenen Augen daran. Sie war der Meinung, dass sie intensiver riecht, wenn sie die Augen schließt.

Und einmal hat sie sogar eine Paprika an ihr Ohr gehalten. Sie bemerkte meine Verwunderung, schaute mich an und sagte lächelnd: „Sie erzählt mir, was ich heute kochen soll!“

Am liebsten roch sie an frischem Koriander. Sie zupfte immer ein kleines Blatt und kaute ganz langsam und genüsslich darauf herum.

Zutat #2: Geduld

Beim Gewürzhändler war es immer sehr aufregend. Ich nannte ihn „Der Zauberer“. Er mischte mit sehr viel Geduld und Hingabe verschiedene Gewürze zusammen.

Bei ihm gab es immer viele bunte Bonbons zum Naschen. Er verteilte sofort welche an die Kinder , damit er seine Ruhe beim Verkaufen und Flirten hatte.

Die Frauen erzählten ihm, was sie kochen wollen und der Zauberer gab ihnen ein passendes Gewürz.

Es würde nicht nur über den Geschmack der Gewürze geredet. Er erzählte auch über die Wirkung der Gewürze. Manche Frauen plauderten mit ihm über ihren Schmerz und Kummer. Auch dafür hatte der Zauberer immer eine passende Mischung.

So fördert z.B. Zimt die Gesprächsbereitschaft und den Zusammenhalt.

Wenn du Gäste hast, tu ruhig etwas Zimt in Dein Essen, so habt ihr einen schönen Abend zusammen“, sagte der Zauberer lachend!

Für mehr Geduld sollst Du eine Teezeremonie machen und Kardamom in den Tee tun.

Diesen Rat befolgte meine Großmutter sehr gerne.

Ach ja, den Nougatstand habe ich beinah vergessen.

Das war der Traum jedes Kindes, ich konnte stundenlang davor stehen und diesen Stand anschauen.

Es gab Nougat mit Schokolade, Pistazien, Mandeln und Trockenfrüchten. In kleinen und großen Stücken.

Den Nougatstand haben wir immer als Letztes besucht, damit ich bis zum Schluss geduldig durchhalte. Schon damals waren die Früchte der Geduld sehr süß und schmackhaft.

Danach gingen wir wieder nach Hause und unterwegs knabberte ich an meinem Nougatstück.

Zutat #3: Dankbarkeit

Zuhause angekommen, packte meine Großmutter ihren Einkauf aus und stellte ihn schön ordentlich und sortiert auf den Küchentisch.

Sie sah die Waren an und genoss den Anblick dieser Zutaten. Sie berührte sie und roch nochmal am Obst oder am Gemüse. Sie war einfach dankbar, glücklich und zufrieden.

Oft stellte sie einen Teller mit verschiedenen Leckereien, die wir vom Markt mitgebracht hatten, auf den Tisch und jeder durfte sich was nehmen.

Am selben Tag zauberte sie ein herrliches Essen aus diesen Zutaten, die sie eingekauft hatte. Alle fragten sie, was sie in ihre Gerichte hineingibt, dass sie so gut schmecken. Sie gab nur ein Lächeln als Antwort.

Heute weiß ich jedoch, dass ihre wichtigste Zutaten Freude, Geduld und Dankbarkeit waren.

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Wer heute wahre Freiheit erlangen will, muss sich mehr anstrengen und auch mal unangenehme Fragen gegenüber stehen. Fragen, die das eigene Leben aufmischen und die eingefahrene Sichtweisen zerstören
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