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Was willst Du von mir?

Irgendwie ist heute nicht mein Tag. Schon seit Tagen quält mich ein Gefühl der Leere. Ich kann die Leichtigkeit des Lebens nicht mehr spüren. Ich schalte den Wasserkocher ein, um mir einen Tee zu kochen. Derweil gehe ich zum Briefkasten, um meine Post zu holen. Dort finde ich eine neue Ausgabe dieser wunderschönen bunten Zeitschrift, die ich vor Monaten abonniert habe.

Ich gieße mir einen Tee ein, setze mich hin und blättere durch die Zeitschrift. Doch mit jeder Seite wird das Gefühl der Leere in mir intensiver.

Ich lese diese wunderbare Lebensweisheiten von Charlie Chaplin, Eckhard Tolle, Matthieu Ricard und Paulo Coelho. Sie perlen jedoch wie Regenwasser an der harten Schale meiner Leere ab und tropfen herunter. Sie können mich nicht aufmuntern.

Früher dachte ich:

Wenn es Dir schlecht geht, dann lies ein paar Weisheiten und dann geht es Dir besser!

Ja, ich nutze diese Lebensweisheiten als Valium, um mich zu betäuben. Damit will ich ein gutes Gefühl bekommen, um ein paar Tage durchzuhalten.

Es ist so, als stünde jemand winkend ein paar Meter von mir entfernt und flüstert mir zu:

Komm Afschin, das ,gute Leben’ ist da, Du musst nur noch ein paar Schritte gehen, es ist gleich um die Ecke, Du hast es bald geschafft. Komm!

Ich sage zu der winkenden Person: „Ich bin aber müde und irgendwie habe ich auch keine Lust mehr!

Er lächelt, holt aus seiner Tasche ein paar Hefte, Bücher und Notizen raus und wirft sie mir zu: „Komm, lies sie. Ich habe sie für unterwegs eingepackt für den Fall, dass Du schlapp machst, danach geht es Dir besser!

Ich schaue hin und dann sehe ich sie wieder: All diese schlauen Sprüche, Bücher, Blogs, die mich aufmuntern und motivieren sollten. Aber irgendwie wirken sie alle nicht mehr.

Ich schlage die bunte Zeitschrift zu, trinke einen Schluck Tee und werde still.

Irgendwann kommt mir der Gedanke: „Ich könnte ja einfach das Leben fragen, was es von mir will!

Gedacht, getan!

Na, was willst Du von mir?“, spreche ich laut und lausche!

Ich höre jedoch keine Antwort.

Ich frage nochmal, und dieses Mal lauter und energischer:

WAS WILLST DU DENN VON MIR?

Und bin wieder still. Ich erwarte keine Antwort und fange an, über mich selbst zu lachen. Dann plötzlich höre ich diese Stimme in mir:

Was willst DU von mir?

Erst denke ich, das ist so eine Art inneres Echo und ich höre meine eigene Frage schon wieder.

Ich höre sie aber nochmal:

Die Frage ist, was willst DU von mir, Afschin?

Ich bin erst etwas erschrocken, aber dann denke ich: „Das stimmt, was will ich eigentlich vom Leben?

Geht es im Leben um eine ständige Selbstoptimierung? Geht es darum, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen?

Ich mache aus dem Leben manchmal eine To-Do-Liste, die ich dann brav abhake.

Ich versuche das Leben zu planen, nehme die Vergangenheit als Modell für die Zukunft, um mich darin zurechtzufinden.

Aber weißt Du, das Leben ist eine wilde Sau. Es lässt sich nicht in ein bestimmtes Format zwingen. Es ist chaotisch, überraschend, unberechenbar und manchmal brutal.

Ich glaube nicht, dass meine Hauptaufgabe darin besteht, die Welt ein Stück besser zu machen. Viel mehr geht es darum, sie mit jedem Tag etwas besser zu verstehen, denn perfekt ist sie schon.

Es geht auch nicht um eine ständige Selbstoptimierung, denn alles, was ich in meinem Leben tue oder nicht tue, führt mich zwangsläufig näher zu Gott.

Das Leben als innere Reise

Nach diesen Gedanken geht es mir irgendwie besser. Ich nehme noch einen Schluck von meinem Tee und stelle nochmal meine Frage:

Was willst DU von mir?

Dieses Mal wartet die Stimme nicht lange und antwortet sofort:

Heirate mich! Jetzt!

Das Leben heiraten?“ frage ich mich.

Irgendwie gefällt mir die Idee ganz gut. Mit dem Leben durch Dick und Dünn zu gehen, in guten wie in schlechten Zeiten. Die Krisen gemeinsam meistern. Nichts planen und alles geschehen lassen.

Ehrlich gesagt kann ich mir keinen besseren Partner dafür vorstellen. Ich sage: Ja, ich will!

Ich stelle jetzt fest, dass „Was willst Du von mir?“ eine ganz gute Frage ist. Sie hat mir heute viel mehr geholfen als alle Weisheiten aus dieser bunten Zeitschrift.

Ich trinke noch den letzten Schluck meines Tees, dabei fällt mir noch etwas ein:

Das Leben ist eine innere Reise, an deren Ende ich mich selbst erkennen werde.

Bon voyage!

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Wer heute wahre Freiheit erlangen will, muss sich mehr anstrengen und auch mal unangenehme Fragen gegenüber stehen. Fragen, die das eigene Leben aufmischen und die eingefahrene Sichtweisen zerstören
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