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Harry, ich werde dich retten. Lass los!

Das hat Harry zu hören bekommen, als er an einem Nachmittag bei seiner Klettertour in den Bergen in Not geriet. Zuerst kam er recht gut voran, doch plötzlich brach ein Stück des schmalen Pfades weg, auf dem er sich befand, und riss ihn mit sich in die Tiefe.

Harry ruderte mit den Armen und erwischte einen kleinen Ast, der aus der Steilwand herausragte. Er klammerte sich mit aller Kraft fest und schrie:

Hilfe! Hilfe! Ist dort oben jemand?

Wie durch ein Wunder teilten sich die Wolken, und ein Lichtstrahl fiel auf Harry, der sich so verzweifelt an den dünnen Ast klammerte.

Eine Stimme – ganz offensichtlich die Stimme Gottes – sprach zu ihm:

Harry, ich werde dich retten. Ich bin alles Gute, Wahre und Schöne. Lass los; ich werde dich retten. Lass los.

Harry dachte angestrengt nach, blickte dann nach oben und schrie:

Ist noch irgendjemand anders dort oben?

Quelle: Das kleine Buch der Seele // ISBN: 978-3426872246

Kennst du es auch?

Jeder von uns kennt solche Situationen. Ich kann ein Lied davon singen.

Du klammerst dich immer fester an das, was dich nicht mehr halten kann: Die Vergangenheit , eine Situation, eine Gewohnheit oder eine Person.

Warum ist aber das Loslassen in solche Situationen so schwierig?

Was dich davon abhält etwas loszulassen, ist deine falsche Vorstellung von dem, was dich unten im Abgrund erwartet.

Oft ist es Scheitern, was dir nach dem loslassen als nächstes begegnet. So fühlt es sich zumindest im ersten Augenblick an. Das macht das loslassen schwer.

Von all den Sorgen,die man sich macht,werden die meisten doch gar nicht eintreffen. (Joachim Du Bella)

Los lassen sprengt deine Illusion

Und zwar die, die dein Verstand in deinem Kopf kreiert hat. Erst dann bist du frei und in der Lage einen kreativen Weg einzuschlagen.

Es gibt so viele Lösungen, so viele Möglichkeiten und so viele Wege. Die meisten und die besten kennst du noch nicht. Erst nach dem loslassen, nach dem der Druck weg ist, siehst du sie.

Lass los bevor du losgelassen wirst

Im Grunde ist es egal, ob du loslässt oder nicht.

Harry kann sich auch nicht ewig an den Ast klammern. Irgendwann bricht der Ast oder er verliert die Kraft. Und dann fällt er tief. Sehr tief.

Er kann aber auch der Stimme vertrauen und bewusst loslassen.

In Vertrauen loslassen

Vielleicht hast du in Moment des Loslassens absolut keinen Plan, was als nächstes zu tun ist. Das ist auch gut so. Hier brauchst du nur Vertrauen, dass alles gut wird.

Es werden dann Möglichkeiten sichtbar, die dich in eine andere Dimension deines Lebens katapultieren werden.

Vielleicht sagst du:

Ich vertraue aber ich brauche auch Sicherheit.

Dann stehst du dir selbst im Weg. Du verbaust dir jegliche kreative Möglichkeiten, die dich aus deiner unerwünschten Situation retten können.

Harry hatte kein Vertrauen. Entweder er klammert sich heute noch an den Ast, oder er ist am Abgrund.

Fallen ist keine Schande, aber Liegenbleiben

Das bewusste losaalassen verlangt von dir neue unbekannte Wege zu gehen. Es fordert deine Bereitschaft Risiken einzugehen, Fehler zu machen, hinfallen und wieder aufstehen.

Das bewusst loslassen zersprengt das falsche Bild, das du von dir und deinen Möglichkeiten hast. Dadurch entsteht die Chance für ein neues authentisches Bild.

Eine kleine Übung – Loslassen lernen

Mein Meditationslehrer, ein buddhistischer Mönch, hat mir eine kleine Übung gezeigt. Sie ist einfach und wirkungsvoll.

Dafür brauchst du nur deinen Atem, einen ruhigen Platz und täglich 5 Minuten Zeit. Am besten morgens nach dem Aufwachen, da der Geist noch sehr ruhig ist.

1. Atme erst ein paar mal tief ein und aus

Achte darauf, dass das Ausatmen etwas länger dauert als das Einatmen. Ich nehme mir dabei eine kleine Hilfestellung: Ich zähle beim Einatmen bis 3 und beim Ausatmen bis 5, nicht zu langsam zählen :-).

Wenn dein Atem ruhig fliesst, gehst du zum nächsten Schritt.

2. Spüre das was du los lassen willst

Klammere dich innerlich einmal bewusst an deinen “Ast”. Atme tief ein und aus.

3. Spüre das Vertrauen in deinem Herzen

Während du dich an deinen “Ast” klammerst, nimm das Vertrauen in deinem Herzen wahr. Das ist die Stimme, die dir sagt: “Hey, lass los und ich rette dich!”

4. Lass los, wenn du bereit bist, aber lass los!

Und dann atme einmal noch ganz tief in deinen Bauch ein, spüre das Vertrauen, und atme ganz tief und lange aus und lass deinen “Ast” bewusst los!

5. Zulassen, was kommt

Jetzt muss du einfach zulassen, was kommt. Ohne dich dagegen zu wehren. Sei bereit für neue Ufer und Möglichkeiten. Öffne deine Sinne, deine Augen und deine Ohren. Öffne vor allem dein Herz.

Wenn du etwas greifen möchtest, musst du es kurz loslassen. Wenn du etwas loslassen möchtest, musst du es kurz greifen. (Laos)

Nun kannst du dich wie “Harry” an deinen Ast klammern, oder du lässt bewusst und in Vertrauen los.

Las los. Es wird gut gehen.


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