Il dolce far niente - Das süße Nichtstun

Es ist Dienstag und ich möchte beim Italiener ein Weißbrot kaufen. Das mach’ ich immer dienstags. Vor mir steht eine Frau und sonst ist kein Kunde mehr im Geschäft. Dafür stehen hinter der Theke 5 Menschen: Der Chef persönlich und 4 seiner Mitarbeiterinnen.

Sie unterhalten sich fröhlich und machen nicht den Eindruck, als dass sie uns bedienen wollen.

Irgendwann reicht’s der Kundin vor mir und sie fragt höflich, ob die Herrschaften was verkaufen wollen.

Darauf antwortet der charmante Chef mit seinem italienischen Akzent:

Liebe Frau eine kleine “Dolce far Niente” sollte man sich zwischen durch gönnen.

Nichts tun und das Leben genießen

Darin scheinen die Italiener wohl Meister zu sein. Bei uns dagegen wird das “Nichts tun” als Faulheit und kontraproduktiv bezeichnet.

Du siehst viele Menschen, die mit ihrem Essen und Trinken in der Hand schnell durch die Straßen eilen. Die To-Go-Gesellschaft jagt ihren Zielen eins nach dem anderen. Sie kann nicht stehen bleiben. Sie hat keine Zeit.

“Dolce far niente” scheint ein niedlicher Spruch zu sein, den man nur in einem Film mit einem Seufzer bewundern kann:

Hach, wenn es so einfach wäre…

Oder als Bildschirmschoner, mit schöner Schrift auf einem Trauminsel-Bild.

Die Angst vor dem Nichtstun

Im Volksmund gilt Nichtstun als langweilig. Viele Menschen haben panische Angst vor Langeweile. Sie tun alles, um Langeweile zu vermeiden und beschäftigen sich mit sinnlosen Zeitdieben.

Wer sich völlig gegen die Langeweile verschanzt, verschanzt sich auch gegen sich selbst (F. Nietzsche)

Nichtstun als Ruheinsel im Alltag

Dabei sind Zeiten des Nichtstuns sehr wichtig. Du steigst bewusst aus deiner Beschäftigkeit aus und nimmst du dir ein paar Minuten Zeit, um wieder bei dir anzukommen.

Du schaffst Räume der Ruhe, wo du dich bewusst aus der Alltagshektik zurückziehen kannst.

So findest du wieder deine Mitte und aus dieser inneren Mitte heraus, kannst du angemessen auf die Herausforderungen des Alltags reagieren.

Diese Zeiten sind kleine Ruheinseln für deinen Alltag. Dort kann sich deine Seele eine Auszeit nehmen und wieder Kraft tanken.

Nichtstun. Aber wie?

Zu erst musst du dir klar machen, dass Nichtstun keine Sünde ist. Es ist völlig OK, wenn du mitten im Alltag stehen bleibst und Luft holst. Hab’ keine Angst vor der Langeweile!

Mit Nichtstun zur inneren Ruhe finden

1. Atmen und Nichtstun

Atme tief und sanft durch die Nase ein und aus. Spüre wie dein Herzraum sich weitet. Atme ruhig weiter und komme zur Ruhe. Komme bei dir an.

2. Sehen und Nichtstun

Beobachte eine Blume oder Pflanze, schaue sie intensiv an. Nimm’ ihre Schönheit wahr. Vertiefe dich in Details der Blume/Pflanze: Farbe, Struktur, die Feinheiten, etc..

3. Erinnern und Nichtstun

Es gibt sicher Orte, an denen du dich sehr wohl gefühlt hast. Diese Erfahrungen sind in deinem Körper gespeichert und du kannst dich immer wieder damit verbinden. Mache für ein paar Sekunden die Augen zu, atme tief ein und erinnere dich an diesen Ort.

4. Riechen und Nichtstun

Eine Duftkerze oder ein Duftstäbchen anzünden. Ein schöner Duft (z.B. Lavendel) in den Raum sprühen . Einfach innehalten und riechen. Bestimmte Gerüche wirken sehr entspannend und helfen dir zur Ruhe zu kommen.

5. Sich freuen und Nichtstun

Den größten Teil deines Lebens ist in Ordnung. Freue dich über das Schöne in deinem Leben. Dein Leben ist ein Wunder.

6. Träumen und Nichtstun

Schaffe dir deine Insel der Ruhe. Wie sieht sie aus? Mit Palmen und einer Hängematte? Eine kleine Hütte mitten in Lavendelfeldern? Vielleicht ein kleiner, üppiger Garten mit Orangenbäumen? Oder ein Bergsee mit klarem Wasser und einer Wiese.

Stelle dir einfach den Ort vor, in dem du dich wohlfühlst. Immer, wenn dir alles zu viel wird, zieh’ dich für ein paar Sekunden oder Minuten dort zurück.

“Il dolce far niente” ist einfach und einfache Dinge tun uns gut. Es geht nur darum, dass du dir ein paar Minuten täglich dafür Zeit nimmst und bewusst abschaltest.


Eine schöne Erklärung für “Dolce far Niente” aus dem Film “Eat Pray Love.