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So kommst du ins Tun!

Als mich Afschin fragte, ob ich einen Gastbeitrag für seinen Blog schreiben würde, fühlte ich mich sehr geschmeichelt. Mit Interesse lese ich seine Blog Beiträge. Sie sind erfrischend und bereichern meinen Horizont. Oftmals treffen sie meine eigene Meinung. Mit Freude habe ich diese Gelegenheit wahrgenommen, um ein paar Zeilen über das Thema „Wie ich ins Tun komme“ zu schreiben. An dieser Stelle danke ich Afschin ganz herzlich für diese tolle Chance.

In untenstehendem Beitrag beschreibe ich, eine von vielen möglichen Methoden, wie ich mit hindernden Kräften umgehe, damit ich wieder ins Tun komme. Ich selbst nutze diese Methode gerne, weil ich das Gefühl habe, mit ihr anhaltende Erfolge zu erzielen.

Soll ich dies tun, oder doch nicht?

Getting Things Done (GTD) ist ein genialer Ansatz, um meine Zeit optimal zu Nutzen. Je nach Kontext, z.B. im Geschäft, in der Bahn, Zuhause, in der Praxis, etc., kann ich aus meiner Aufgabenliste eine entsprechenden Aufgabe entnehmen und bearbeiten. Bin ich, z.B. in der Bahn unterwegs, schreibe ich meinen neusten Blogbeitrag, bearbeite Emails oder lese Fachliteratur. Seit ich GTD anwende, nutze ich meine Zeit optimaler und bin produktiver geworden.

Trotz GTD und meiner neu gewonnenen Produktivität bin ich noch immer nicht vor Aufschieberitis / Prokrastination, Motivations- und Lustlosigkeit gefeit. Diese Themen sind psychologisch bedingt und benötigen eine andere Herangehensweise.

Unbewusste Kraft

Es gibt Arbeiten, welche in mir einen Motivationsschub erzeugen, weil ich diese gerne tue oder weil mich der Ehrgeiz packt und ich ein Ziel erreichen möchte. Dann wiederum versuche ich einige Aufgaben in meiner Liste zu umgehen oder hindere mich selbst an deren Umsetzung. In beiden Situationen fühle ich eine Kraft, welche mich entweder in meinem Tun unterstützt oder hindert.

Beide Kräfte nehme ich ganzheitlich (körperlich, emotional und gedanklich) wahr:

  • Werde ich unterstützt, fühlt sich mein Körper energiegeladen an. Ich fühle Spass und Freude und sprudle vor Ideen.
  • Ist die hindernde Kraft aktiv, fühle ich mich träge und lustlos, habe einen Knoten im Bauch und suche nach Möglichkeiten die anstehende Arbeit zu vermeiden.

Oftmals kann ich nicht konkret eruieren, was mich vom Tun abhält. Oberflächlich betrachtet sind es meine Gedanken, welche nach Vermeidungsstrategien suchen.  Wenn ausschliesslich meine Gedanken beteiligt wären,  müsste es möglich sein durch bewusstes Verändern meiner Gedanken innere Hürden zu überwinden. Bei mir klappt dies oft nicht.

Genauer nachgespürt sind Gefühle wahrnehmbar, von denen ich früher keine Ahnung hatte. Wusstest du, dass Gefühle unbewusst wirken? Wir können gedanklich gar nicht erfassen was sie uns sagen wollen und trotzdem haben sie einen Einfluss auf unser Tun.

Wissenswert ist, dass jegliches Unbewusste, grösseren Einfluss auf unser Tun ausübt, als jeder bewusste Gedanke. Aus diesem Grund werde ich oftmals, trotz jeglicher Willenskraft, keine nennenswerten Erfolge erzielen.

Die Kraft der Gefühle

Die unbewusst wirkenden Gefühle verlieren ihre Kraft sobald ich sie in mein Bewusstsein hole.

Als ich dies das erste Mal hörte, war ich der Meinung Gefühle „nur“ benennen zu müssen und die Vermeidungsstrategien seien weg.  Tatsächlich lernte ich meine Gefühle zu kommunizieren, was mir in einigen anderen Lebensbereichen  Erleichterung brachte. Trotzdem wendete ich weiterhin Strategien zur Vermeidung des Tuns an.

In meiner Ausbildung, zum psychosozialen Berater, lernte ich Voice Dialogue von Hal und Sidra Stone kennen. Bei dieser Technik kommuniziert der Berater mit den inneren Stimmen (Gefühle) des Klienten. (Man stellt sich dies vor, als ob man mit einer fremden Person spricht.) Der Berater und der Klient lernen die Stimme näher kennen und verstehen durch das Gespräch deren Beweggründe und wie sie den Klienten beeinflusst. Wird dieser Vorgang mehrmals wiederholt, wird durch die stetige Bewusstwerdung, der Einfluss der Stimme reduziert. Durch diesen Prozess fühlt sich der Klient freier und gelöster.

Durch meine eigenen Erfahrungen mit Voice Dialogue, wurde mir klar was mit „Gefühle ins Bewusstsein holen“ gemeint ist. Man solle also mit seinen Gefühlen sprechen. Anfänglich klang dies für mich unglaubwürdig, doch als ich selbst erlebte wie diese Methode wirken kann, war ich vollends von ihr überzeugt.

Let’s talk

Um mit den Gefühlen zu sprechen, habe ich in der Meditation das beste Hilfsmittel gefunden

  • Ich setze mich bequem hin und konzentriere mich auf meinen Atem.
  • Wenn ich einen entspannten Zustand erreicht habe, visualisiere ich vor mir das zu erkundende Gefühl.
  • Das Gefühl wird sich in seiner eigenen Form (z.B. Person, Monster, Tier, Wesen, etc.) zeigen.  Es kann sich gebückt halten, stehen, sich verstecken, sich vor mir aufbauen, usw. Ich nehme es wahr wie es sich gerade zeigt.
  • Im nächsten Schritt begrüsse ich das Wesen und beginne das Gespräch.
  • Ich spreche mit dem Wesen, wie ich es mit einem Unbekannten tun würde. Interesse, Empathie und Wertschätzung sind essentiell. Das Ziel dieses „Gesprächs“ ist so viel wie möglich über das Wesen zu erfahren, damit ich neue Erkenntnisse gewinne.
  • Sobald ich genug erfahren habe verabschiede ich mich von dem Wesen, beende das „Gespräch“ und die Meditation.

Indem ich Unbewusstes in mein Bewusstsein rufe, beginne ich zu verstehen, weshalb sich genau dieses Wesen (Stimme/Gefühl) zeigt. Alleine dadurch reduziert sich dieser unbewusste Einfluss und ich fühle mich freier.

Es ist wie mit jeder neuen Bekanntschaft, ohne Pflege geht nichts. Ich nehme demnach wiederholt mit diesem Gefühl Kontakt auf, damit ich „alles“ von ihm erfahre.

Komm ins Tun

Wenn ich mal wieder feststelle, dass ich mich von meinem Tun abhalte, wende ich die oben genannte Meditation an. Ich trete mit dem hindernden Gefühl in Kontakt und lerne es, erneut, kennen. Meistens meditiere ich abends, da ich am Tag, wenn das Gefühl auftritt, zu wenig Zeit habe. Mir hat diese Methode geholfen mehr Bewusstsein zu erlangen was mir meine Gefühle sagen wollen. Dadurch bin ich vermehrt ins Tun gekommen.

Ich hoffe die Meditation findet bei dir einen ähnlichen Anklang, sodass du noch öfters ins Tun kommen kannst. Ich freue mich über deine Erfahrungsberichte.

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Über Markus
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