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Auf dem Wochenmarkt der Spiritualität

Ich besuche den Wochenmarkt. Nein, nicht die Art vom Wochenmarkt, was du denkst. Dort werden nicht regionale Gemüse, Käse und leckere Produkte von Bauern verkauft. Nein. Ich bin auf dem Wochenmarkt der Spiritualität. Hier kannst du Glück, Berufung, Wunschjäger, Komfortzonen-Crusher und Freiheit-Finder kaufen.

Auf diesem Markt kannst du deinen Geist auf Hochglanz polieren lassen. So wie dein Auto.

Ich gehe zum ersten Händler und schaue seinen Marktstand an. Alles ist super eingerichtet. Tolle Farben. Schöne Verpackungen. Buddhas in allen Farben und Formen. Und Überschriften, die mir das blaue vom Himmel versprechen.

Sehr viele Menschen stürmen an den Stand und wollen möglichst viel kaufen. Am liebsten alles.

Ich denke kurz nach:

Ein Bisschen Glück könnte nicht schaden, so etwa 250g. Ich kann’s ja auch einfrieren, wenn ich es nicht gleich brauche.

Kaum mach’ ich meinen Mund auf, um es zu bestellen, kommt mir eine Person zuvor und gibt ihre Bestellung auf.

Ich hätte gerne:

300g Glück, möglichst nur vom Filet
Dieses Produkt macht dich einfach glücklich. Egal was dir widerfährt, du nimmst einfach ein Paar Gramm davon und schon bist du wieder glücklich.

Ein Kilo Berufung, bitte nur die saftige
Damit findest du in nullkommanix deine Lebensaufgabe, und kannst damit Geld verdienen. Sehr viel Geld. Steht zumindest auf der Verpackung. Und der Verkäufer ist der lebende Beweis dafür.

Und ein paar von diesen Dingen….wie heißen sie noch mal?… Ach ja, Komfortzonen-Crusher
Was, du weißt nicht, was Komfortzonen-Crusher sind? Damit kannst du anscheinend super einfach deine Komfortzone verlassen. Einfach so. Tür auf und raus! Und schon bist du mitten in deinen Träumen. Herrlich, oder?

Dann fragt diese Person tatsächlich:

Liefern sie eigentlich Glück auch in größeren Mengen nach Hause? So eine Palette etwa?

In diesem Moment kommt ein anderer Verkäufer zu mir, auf seinen Namenschild steht “Glückscoach”. Er fragt sehr freundlich mit einem breiten Grinsen:

Na, was kann ich dir gutes tun?

Ich schlucke erst mal und denke:

Nach der Bestellung von dieser Person, sehe ich mit meinem 250g Glück richtig scheiße aus.

Ich lächle gezwungen und sage leise und unauffällig: “ich wollt mich nur umsehen, danke.” Und verschwinde ganz schnell.

Ich setze mich in ein Café in der Nähe des Marktes, bestelle mir einen Espresso, beobachte die Menge und lasse meinen Gedanken freien Lauf:

Spiritualität als Massenware

Spiritualität ist heute zu einer Massenware geworden, die grenzenlos konsumiert wird. Wie Fleisch oder Milch.

In jeder Ecke bekommst du ein Seminar, ein Workshop oder ein Buch. Jeder will dir klar machen, dass du nicht richtig tickst, weil du DIES und DAS nicht machst.

Jeder scheint zu wissen, wo der Weg ist. Nur du nicht!

Spirituelle Zentren, Erfolgscoaches und Glückstrainer wachsen wie Pilze aus dem Boden. Die Jagd nach den Träumen, Berufung und Zielen hat begonnen.

Nach der Pharma- und Kosmetikindustrie, hat jetzt auch die Spiritualität das Geschäft mit dem Schmerz und Schönheit entdeckt.

Hand aufs Herz:

Wie viele Bücher über Glück, Berufung, Organisation, Klarheit und Ordnung hast du schon gelesen. Und wie viele davon hast du wirklich in deinem Alltag umgesetzt?

Wie viele Seminare und Workshops hast du besucht, und wie lange hat die Wirkung angehalten?

Verstehe mich nicht falsch, ich finde die Suche nach Glück und Lebensaufgabe, als eine sehr edle Aufgabe. Und du kannst deine Träume nur verwirklichen, in dem du deine Komfortzone verlässt. Gar keine Frage.

Du hast deine eigene persönliche Spiritualität mitgebracht. Sie wohnt tief in dir.

Du sollst nur nicht der Masse hinterher rennen, nach dem Motto: Alle rennen doch in diese Richtung, dann muss ja was daran sein.

Frag’ dich:

Was brauche ich wirklich? Dann wird eine weile Still und höre’ in dich hinein. Und wie so oft wirst du feststellen, dass auch hier weniger mehr ist.

Tim von mymonk.de antwortet auf die Frage “ Was bedeutet eigentlich my MONK”? wie folgt:

“my MONK”, Deutsch: “mein Mönch”: heißt nicht, dass ich ein Mönch bin oder “Dein Mönch”. Sondern: ich glaube, dass in jedem von uns so etwas wie ein innerer, weiser Mönch lebt, der uns viel lehren kann, wenn wir ihm zuhören.

Minimalismus und eine minimalistische Lebensweise fordert auch eine minimalistische und kraftvolle Spiritualität.

Meine eigene minimalistische Spiritualität finde ich, als ich vom Wochenmarkt der Spiritualität nach Hause komme:

Da ist sie. Still und geduldig wartet sie auf mich.

Sie schreit nicht wie ein Marktschreier.

Und sie verspricht mir nicht das blaue vom Himmel.

Sie bietet mir alles, was ich brauche, um mit meinem “my MONK” in Verbindung zu kommen.

Meine eigene minimalistische Spiritualität, sie ist einfach nur da.

Still.

Schweigend.

Kraftvoll:

Mein Meditationskissen!

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Gehen dir manchmal die ganzen Mainstream Themen, die sich ständig wiederholen, nicht auf den Geist? Hier liest du, warum die Mainstram Spiritualität dich in deiner Entwicklung nicht weiterbringt.
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