Trailrunning - Meine Meditation

Meditation ist eine spirituelle Praxis vieler Religionen und Kulturen und regelmäßiges Thema hier bei Afschin. Stille. In sich vereint. Mit sich selbst im Flow. Atmen. Ruhig da sitzen. Ruhig da sitzen? Nein! Für mich heißt Meditation: Let’s fetz – Trailrunning!

Über Stock und Stein. Über Wurzeln. Durch Schlamm. Auf die Berge hoch und wieder runter. Keuchend durch Wald und Wiese. Wettlaufend mit Kühen, Murmeltieren oder Vögeln.

Im ersten Moment scheint es ein Widerspruch zu sein: aktiv versus passiv. Für mich jedoch nicht. Eher ist es die höchste Form der Meditation welche ich persönlich erreichen kann.

Durch Achtsamkeits- oder Konzentrationsübungen soll sich der Geist beruhigen und sammeln. (Wikipedia „Meditation“)

(Die) Eine Geschichte

Es gab in meinem Leben im letzten Jahr sehr schwierige Zeiten. Ich versuchte es mit Atemtechnik, Achtsamkeits-Übungen, Medikamenten und vielem mehr. Ich konnte nicht abschalten, nicht von meinem bildlichen Denken weg. Ich blieb in meinen Gedanken gefangen. Sie drehten sich im Kopf. Immer schneller. In Dauerschleife. Düster und voller Selbstzweifel. Die Decke fiel mir auf den Kopf. Medikamente wollte ich nicht nehmen. Meditation war für mich gescheitert. Die Stimmung war schlecht, die Gedanken teuflisch. Es half nichts.

Doch die nächsten sportlichen Ziele trieben mich nach draußen. Auf die Berge mit weiten Blicken, frischer Luft und viel Ruhe. Immer öfter konnte ich eine Veränderung in mir erleben, während und nach dem laufen. Die Berge taten mir gut. Ich konnte Ruhe geniessen. Das Trailrunning liess mich runter kommen. Gedanken die sich minütlich im Kopf drehten waren für Stunden weggeblasen. Ich konnte wieder glücklich und ehrlich lächeln. Frei denken.

Doch was war die Ursache weswegen es mir so unendlich gut tat?

Die Anstrengung und Anspannung

Quer durch das Unterholz oder auf einem schmalen Grat zu rennen erfordert neben Geschick und Kondition vor allem Konzentration und Mut. Es bringt deine Lunge zum qualmen und den Kopf zu Höchstleistungen. Die Fokussierung auf den nächsten Tritt: Nur nicht abrutschen. Der nächste Sprung: Wo am besten landen? Mit den Augen schon drei Schritte voraus den Pfad prüfend. Keine Zeit für andere Gedanken. Du bist im Hier und Jetzt.

Dies ist der Grund warum es eine Art der Meditation ist und für mich beim Straßenlauf nicht funktioniert. Ein Fuß vor den Anderen, da muss ich nicht denken. Nur funktionieren. Die Monotonie lässt zuviel Zeit für Gedanken und ein Abschalten ist nicht möglich. Die unterbewusste geistige Herausforderung fehlt, vielleicht auch der „Kick“ um loslassen zu können.

Ausblicke unterwegs

Es gibt den Spruch: „The mountains are my church.“ (Die Berge sind meine Kirche.) Als unreligiöser Mensch kann ich es nicht nachvollziehen ob Berge mit Kirchen vergleichbar sind. Das möchte ich auch nicht. Jeder muss für sich entscheiden was ihm gut tut. Doch wenn die Kirche als Platz der Ruhe und des Einklangs gesehen wird, stimme ich der Aussage zu.

Kritiker (oder Neider?) werfen mir immer wieder vor ich könne nicht geniessen wenn ich durch die Landschaft renne. Doch sie liegen falsch:

Ich kann geniessen.

Während des Laufens wie auch bei Pausen. Denn dort wo es mir gefällt bleibe ich stehen. Solange es mir gefällt. Geniesse das Hier-und-Jetzt. Und wenn ich alles in mich gesogen habe renne ich weiter. Noch schneller, mit einem Lächeln. Weil ich befreit bin.

Der Place-to-be

Als unruhiger „Zappelphilipp“ halte ich es nicht lange an einem Ort aus. Doch es gibt Ausnahmen. Diese nenne ich meine „Places-to-be“. Ich freue mich dort hin zu laufen um lange dort zu bleiben. Nehme Essen, trinken und warme Wechselsachen mit.

Einer dieser Orte ist auf Madeira nahe der Boca-do-Risco. Der Ausblick, die beruhigende Stimmung und Akustik der Brandung tief unter mir lässt mich verweilen und runter kommen. Abschalten hoch über dem blauen Ozean.

Probiere die „Trailrunning Meditation“ aus

Gehörst du auch zu den Menschen die denken das sie nicht meditieren können, weil ruhig sitzen und „bewusst-unterbewusst“ an nichts denken nicht funktioniert? Dann probiere doch die „Trailrunning Meditation“.

Gehe in die Natur. Suche dir einen Pfad. Fange an zu joggen oder schnell zu gehen. Spüre wo und wie du deine Füße aufsetzt. Werde etwas schneller. Spüre deinen Atem.

Wenn dir ein Platz gefällt – bleibe stehen. Geniesse es und sammle Kraft für einen nächsten Abschnitt.

Für hartnäckige Gedanken-Kreise die nicht aufzusprengen sind empfehle ich einen Wurzelpfad entlang eines rauschenden Baches. Ich verspreche dir, du denkst an nichts mehr. Die Geräusche des Baches übertönen alle Gedanken in deinem Kopf.

Ich würde mich freuen wenn du mir darüber berichtest wenn du es ausprobierst.