Schreiben macht dein Leben lebenswerter

Ich wünschte, ich wäre so ein Rund-um-die-Uhr-Kreativer. Dem die Gedanken für neue Artikel nur so zufliegen. Bin ich aber nicht. Ich wünschte, ich könnte immer genau meine Gefühle benennen. Kann ich aber nicht. Ich wünschte, ich hätte die Fähigkeit, belastende Dinge aus der Vergangenheit einfach zu verdrängen. Habe ich aber nicht.

Alles kein Problem, denn: Ich habe eine Lösung dafür. Eine Wunderwaffe. Die so unspektakulär, so günstig und trotzdem so wirkungsvoll ist. Ich schreibe.

Jetzt lehne mich ganz weit aus dem Fenster und sage: Du solltest das auch tun. So oft wie möglich. Es wird dein Leben bereichern.

Du musst dazu nicht wie ich als Redakteur gearbeitet haben. Du musst weder Blogger noch Buchautor sein (aber vielleicht wirst du es dadurch). Du musst keine gute Note in Deutsch gehabt haben.

Das Einzige, was du tun musst, ist: schreiben.

Welche Möglichkeiten es dabei gibt, erkläre ich später. Erst einmal will ich dir ein paar Beispiele geben, warum Schreiben für mein Leben eine überragende Bedeutung hat.

Beispiel 1: Schreiben als Kreativitätsmaschine

Lange habe ich gegrübelt, welches Thema ich in diesem Gastartikel aufgreifen will. Ich habe auf Afschins Seite gestöbert und bin über den Satz gestolpert:

Was ist wirklich wichtig im Leben?

Also Notizbuch auf, Kuli gezückt und losgeschrieben. Heraus kamen 25 Punkte, die mich begeistert haben. Und die Freude darüber, dass ich sie für mich verbindlich festgehalten habe.

Ein Punkt auf der Liste: Schreiben. In dem Moment wusste ich, dass ich genau jetzt über die Faszination des Schreibens schreiben will.

Beispiel 2: Schreiben zur Konflikt-/ Vergangenheitsbewältigung

Mehr als 10 Jahre hatte ich keinen Kontakt zu meinem Vater. Die Situation hat mich sehr belastet. Das Verdrängen klappte nur zeitweise.

Dann der Durchbruch dank meines neuen Therapeuten: Ich sollte einen Brief schreiben, in dem ich meinem Vater alles um die Ohren haue, was ich einmal loswerden wollte.

Das Schreiben und später laute Vorlesen beim Therapeuten war wie eine unglaubliche Befreiung. Endlich konnte ich vergeben, endlich konnte ich mit dem Thema abschließen.

Inzwischen haben wir wieder sehr guten Kontakt, haben uns schon zweimal gesehen. Den Brief habe ich übrigens nie abgeschickt.

Beispiel 3: Schreiben, um die Emotionen einzuordnen

Von Mai bis Oktober 2014 hat mich eine Europareise mit meinem VW Bus über 20 000 Kilometer durch 20 Länder geführt. Die meiste Zeit davon war ich allein unterwegs.

Viel Zeit für mich. Viel Zeit zum Reflektieren. Nicht immer konnte ich dabei meine Emotionen so richtig einordnen.

Klarheit habe ich dann bekommen, wenn ich mein Notizbuch gezückt und meine Gedanken notiert und sortiert habe. Oder gleich einen Blogartikel dazu verfasst habe.

Schreiben übernahm für mich die Rolle des Gefühls-Kompasses.

Schreiben heißt, sich selber lesen. – Zitat von Max Frisch

In welchen Lebenslagen kann Schreiben dir noch weiterhelfen? Bei Ängsten, Krankheit, Beziehungsproblemen, Trennung, Stress oder wenn du dich nicht traust, etwas mit jemandem persönlich zu besprechen. Denn du entlastest dich, indem du über belastende Situationen schreibst.

Beschränke es aber nicht auf negative Situationen. Sondern notiere dir auch die vielen wunderbaren Momente im Leben, damit du eine bleibende Erinnerung hast.

Kein Wunder, dass Schreiben in den USA eine anerkannte Therapieform ist. Aus meiner Sicht gibt es kaum eine bessere Technik, deine Gedanken zu sortieren, Klarheit über dein Leben zu gewinnen, Lösungen zu erkennen und dir deiner Gefühle bewusst zu werden.

Und das nur, indem du einen Stift in die Hand nimmst und ihn über ein Blatt Papier gleiten lässt. Faszinierend, oder?

Im wahrsten Sinne des Wortes nimmst du damit das Heft in die Hand. Weil du dich aktiv und intensiv mit den Dingen auseinandersetzt, die dich bewegen.

In Gedanken kannst du dich ganz gut belügen. Aber beim Schreiben wird das ganz schwer.

Vielleicht erschrickst du manchmal über deine Ehrlichkeit. Aber am Ende wirst du davon profitieren, dich dir selbst gestellt zu haben.

Es gibt so viele großartige Möglichkeiten, etwas zu schreiben:

  • Brief an dich selbst oder an jemand anderen
  • Tagebuch
  • Glückstagebuch bzw. Dankbarkeitstagebuch (jeden Abend nur die positiven Dinge notieren, die dich glücklich gemacht haben/für die du dankbar bist)
  • Morgenseiten (jeden Morgen ohne nachzudenken ungekürzt aufschreiben, was dir alles in den Sinn kommt)
  • Blog
  • In Einzelfällen, wenn du mit einem Problem nicht weiterkommst, vor einer wichtigen Entscheidung stehst oder einfach nur zum Frustabbau

Wer weiß, ob du dann irgendwann mit so viel Schreibübung nicht doch noch ein Buch verfasst.

Ach, du wolltest noch wissen, was alles auf meiner Liste „Was ist wirklich wichtig im Leben“ stand?

Bitteschön:

  • Humor
  • Freiheit
  • Kindlicher Übermut
  • Vertrauen ins Leben/die Zukunft
  • Liebe
  • Respekt
  • Mut
  • Kreativität
  • Freundschaft
  • Gespräche mit Tiefgang
  • Selbstliebe
  • Gesundheit
  • Finanzielle Grundabsicherung
  • Natur
  • Bewegung
  • Innehalten/Meditation/Yoga
  • Sauber und fair produziertes Essen
  • Geselligkeit
  • Schreiben
  • Zwischenmenschliche Wärme
  • Musik
  • Genug Schlaf
  • Menschlichkeit
  • Achtsamkeit
  • Zufriedenheit