Einführung
Ich will, dass du weißt, wer ich wirklich bin oder Mut zur Nacktheit

Ich will, dass du weißt, wer ich wirklich bin oder Mut zur Nacktheit

Wer bin ich?

Ich will dir keinen pseudo spirituellen Quatsch von "Ich bin reines Bewusstsein" oder "Ich bin pure Energie" erzählen.

Du wirst in diesem Beitrag von mir auch nicht erfahren, wie du in nur sieben Tagen dein wahres Selbst erkennen und finden kannst.

Ich habe kürzlich eine Folge der Serie "Sence 8" auf Netflix angeschaut. Bei einer Szene hat mich folgende Aussage eines Schauspielers sehr berührt:

Wenn die Welt eine Bühne ist, dann ist unsere Identität nur ein Kleid.

Ich dachte dann darüber nach, wo ich im Leben lieber ein Kleid der Identität anziehe, anstatt mich “nackt” zu zeigen. Wo treffe ich Entscheidungen, obwohl sie mit der Stimme meines Herzens nicht stimmig sind?

Ich vermute, dass ich ein Großteil meines Lebens damit verbracht habe, Entscheidungen, Pläne und Ziele anderer verfolgt habe. Ich habe das getan, weil eine Stimme in meinem Kopf mir sagt:

Wenn du diese Entscheidung triffst oder diese Ziele verfolgst, dann erreichst du dies und jenes, dann bist du wer. Schau, das machen andere auch!

Ein Teil von mir weiß aber, dass das nicht stimmt. Dass ich nicht etwas tun, lassen oder erreichen muss, um jemand zu sein. Aber nicht selten ist die Stimme des Egos lauter und seine Argumente klingen “logisch” und nachvollziehbar. Ein Unterfangen, das mir sehr viel Kraft und Energie raubt.

Meine Identität als Kleid

Manchmal falle ich hinter meine Möglichkeiten zurück. Aus Angst, Selbstsucht oder Trägheit.

Angst davor, mein wahres Selbst zu leben. Selbstsucht, weil mein Ego mir klar machen will, dass ich der Mittelpunkt der Welt bin und alles sich um mich dreht. Und Trägheit, weil ich zu bequem geworden bin. Ich kuschle lieber in meiner wohligen "Ich-bin-zufrieden-Ecke" und begnüge mich mit einer Mini-Version des unfassbar schönen Leben.

Ich lese lieber ein weiteres spirituelles Buch, einen Ratgeber oder besuche wieder ein Seminar von sogenannten Gurus, spirituellen Lehrern, Motivationstrainer oder von jemandem, der es im Leben angeblich “geschafft” hat.

Ich weiß! Ich sollte lieber die endlichen Tage meines Lebens auskosten. Meine Begegnungen mit anderen Menschen genießen oder mich noch mehr in die Gemeinschaft einbringen. Ich sollte mich noch mehr für das Geschehen im Jetzt öffnen. Aber ich ziehe mir lieber ein "Kleid" der Identität an, das mich von all diesen Dinge trennt. Diese erdachte Identität katapultiert mich in eine Seifenoper oder Luftblase, die nur als Gedankenkonstrukt in meinem Kopf existiert. Sonst nichts.

Meine Identität trennt mich vom Leben ab

Meine Identitäts-Kleider trennen mich in Wirklichkeit vom echten Leben ab.

Mein Kleiderschrank der Identität platzt beinah vor schönen und bunten Identitäts-Kleidern, die ich mir im Laufe meines Lebens „genäht“ habe. Manchmal stehe ich vor ihnen und schaue sie mir an. Ich frage mich: Wer bin ich eigentlich ohne diese Kleider. Wer oder was erscheint, wenn ich all diese Identitäten, die ich mir erschaffen und erdacht habe, fallen lassen würde?

Ich schütze mich mit einem Identitäts-Kleid

Sicherlich ist es nicht immer einfach, alles zu fühlen und zu umarmen. Es ist manchmal mühsam zum jetzigen Moment bedingungslos JA zu sagen. Es gibt Situationen, da möchte ich ich einfach davon laufen. Weit weg! Es gibt Tage, wo mir einfach alles zu viel wird. Und es gibt Menschen, denen ich am liebsten sagen würde: “Verpiss dich!”

Aber stattdessen ziehe ich lieber mein Kleid der Identität “ich bin glücklich und gelassen" an. Mir ist völlig bewusst, dass dieses Kleid mich von der Situation, die vor mir liegt, trennt. Ich ziehe es mir trotzdem an, um mich wieder einmal mehr abzulenken und nicht zu fühlen, was es gerade zu fühlen und umarmen gibt. Ich tu’ es wahrscheinlich aus Angst, es könnte ja weh tun! Ich könnte ja abgelehnt werden.

Ich betrüge mich selbst um eine wichtige Erfahrung, die mich womöglich ein Stück weiterbringen könnte.

Mut zur Nacktheit

Aber was passiert, wenn ich mein Kleid der Identität nicht anziehe? Wenn ich das Geschehen und das Gefühl des Augenblicks zulasse? Wenn ich das zulasse, was und wie es gerade ist und, wenn ich vor meinen Gefühle nicht weglaufe, dann gibt es immer etwas Magisches und Schönes, das mich überwältigt.

Wenn ich zum Geschehen im Jetzt radikal JA sage, wenn ich die Stimme in meinem Kopf, die ständig alles bewertet, für einen Moment keinen Raum gebe, dann bewege ich mich durch ein breites buntes Spektrum von echten Emotionen und Erfahrungen. Anstatt innerhalb der Grenzen von Glück und Gelassenheit zu leben, spüre ich plötzlich, was es bedeutet WIRKLICH lebendig zu sein.

Ich will verwundbar sein

Ich erwische mich im Alltag dabei, wie ich nach Sicherheiten und Kontrolle greife, anstatt mich von der Faszination des Lebens verschlingen zu lassen.

Ich würde manchmal so gerne einfach ins kalte Wasser springen, anstatt alles aufzuschieben. Für “später”! Ich laufe oft durchs Leben, als würde ich ewig leben. Dabei kann im nächsten Moment schon alles vorbei sein.

Ich versuche immer stark zu sein, mich vor Verletzungen zu schützen. Das Leben will aber meine Verwundbarkeit. Es braucht Unsicherheit. Planlosigkeit.  Alles Begriffe, bei denen mein Verstand in höchster  Alarmbereitschaft ist und mein Ego komplett ausflippt.

Aber nur so kann ich die Grenzenlosigkeit des Lebens erfahren. Und nur so kann sich dauerhafte Glückseligkeit  in mir ausbreiten.

Ich versuche einfach menschlich zu sein

Doch zum Glück werden diese Episoden der Angst, der Sucht und der Trägheit immer weniger, und sie nehmen immer weniger Raum in meinem Herzen und in meinem Geist ein.

Ich kann immer öfter die echte Wärme spüren, die von meinem Herzen ausgeht. Ich kann meinen Schmerz vollständig zulassen, ohne sein Sklave zu sein.

Ich kann mutig die Unsicherheiten loslassen und meine Ängste vorm Scheitern schmelzen so langsam wie ein Stück Eis unter der Sonne. Mein Mut wächst immer mehr und ich kann zugeben, wenn ich etwas versaut habe. Ja, ich kann sogar demütig um Verzeihung bitten und es wirklich so meinen.

Das Leben entfaltet sich in meinem Alltag wie eine Blüte, die völlig frei, planlos und total verwundbar in der Natur aufgeht.

Ja, das bin ich

Das bin ich wirklich. Und ich wache jeden Tag auf, um diesen Herausforderungen gegenüber zu stehen. So bin ich täglich der Schöpfer meines Lebens.

Ich glaube fest daran, dass dies unsere Bestimmung ist, Schöpfer eines großartigen Lebens zu sein. Wir können täglich fern ab von Konsum und äußeren Bedingungen die wahre und göttliche  Glückseligkeit erfahren.

Wahre Glückseligkeit ist, wenn du in deiner herrlichen Göttlichkeit vollkommen menschlich sein kannst.

Wenn ich heute vor dem Schrank meiner Identitäts-Kleider stehe, schaue ich sie liebevoll an. Ich weiß, dass sie mir in bestimmten Lebensphasen nützlich, ja sogar überlebenswichtig waren. Ich winke ihnen dankbar zu und schließe den Schrank.

Ich entscheide mich heute für das pure Leben!

Ich freue mich auf diene Perspektive, schreib sie einfach in die Kommentare.

Autor

Afschin

Wer heute wahre Freiheit erlangen will, muss sich mehr anstrengen und auch mal unangenehme Fragen gegenüber stehen. Fragen, die das eigene Leben aufmischen und die eingefahrene Sichtweisen zerstören

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